Themenwoche #3
Internet of Things

„Schatz, der Kühlschrank wurde schon wieder gehackt!“

 

Muss wirklich alles mit dem Internet verbunden werden? Langsam legt sich der Hype um das Buzz-Thema „Internet of Things“. Für viele wirkt die Idee eines sogenannten „Smart Home “ noch wie eine weit entfernte Zukunftsvision, doch zahlreiche Unternehmen arbeiten jetzt schon aktiv an der Vernetzung von alltäglichen Gegenständen in unserem (häuslichen) Umfeld.

Amazon, Google und Apple haben alle schon persönliche Assistenten für den Haushalt auf den Markt gebracht, welche das alltägliche Leben im Haushalt ein kleines Stück erleichtern sollen. Noch beschränken sich die Funktionen auf Vieles, was auch ein Handy kann. Doch geplant ist eine vollständige Vernetzung  der Objekte im Haushalt. Diese soll möglichst bald idealerweise auch eine Kommunikation der Geräte untereinander ohne aktive Beteiligung einer Person ermöglichen und nur auf Signale reagieren und sogar antizipierend handeln. Beispielsweise vernetzte Thermostate: Sie können die Temperatur anpassen und somit Heizkosten sparen.Längst werden riesige Lagerhäuser von Konzernen wie Amazon nur noch von intelligenten Geräten bewohnt, die ohne menschliche Hilfe auskommen.

Die wichtigste Frage jedoch ist, welche Gefahren diese verstärkte Vernetzung unserer direkten Umwelt birgt? Der Markt um vernetzte Geräte wächst rasant und so interessiert die Marge oft mehr als Sicherheitsstandards. Mangelnde Sensibilität der Verbraucher wird hier als großes Risiko angesehen. Wer würde auch schon meinen Kühlschrank hacken wollen? Ende April hat die große Koalition daher ein Gesetz beschlossen, das Providern erlaubt, Protokolldaten zu analysieren und den Internetzugang zu blockieren, wenn der Kunde Teil eines Botnetzes ist. Der Beschluss war unter Anderem eine Reaktion auf einen Angriff, der vergangenen Herbst tausende Telekom-Router lahm legte.

Schon hier scheiden sich die Meinungen. Müssen Anbieter künftig für mangelnde Sicherheitsstandards haften und Geräte womöglich zurücknehmen oder sollen Kunden für die fahrlässige Nutzung Verantwortung tragen? Auch Christian Funk von der Sicherheitsfirma Kaspersky sagt, dass „die Sicherheit vieler Geräte (…) beim Produktdesign bisher keine ausreichende Priorität“ hat. Als präventive Lösung ist unter Anderem ein Qualitätsgütesiegel für Geräte angedacht, das Billigprodukte vom Markt verdrängen soll. Einige Verbraucherschützer wollen hier aber noch weiter gehen und fordern eine Garantie für vernetzte Geräte.

Auch Datenschützer sind besorgt. Durch die Benutzung der vernetzten Gegenstände werden gesammelte Daten direkt an die Unternehmen weitergeleitet. Diese Informationen können dann zur Optimierung der Gegenstände genutzt werden, doch wie weit schneidet dies in die Privatsphäre der Menschen ein? Vor allem würde der Durchschnittsnutzer bei der Menge an vernetzten Geräten schnell den Überblick darüber verlieren, was er von sich Preis gibt.

Im Endeffekt muss man sich jedoch gerade in einer immer älter werdenden Gesellschaft wie Deutschland auch über die positiven Effekte bewusst werden, die ein vernetzter Haushalt auf das Leben von älteren Menschen haben kann. Bei Problemen können entsprechende Dienste alarmiert werden und Unfälle so vorgebeugt werden. Zudem könnten ältere Leute ein gewisses Stück Autonomie in ihrem Leben erhalten und wären weniger auf die Hilfe Anderer angewiesen. Kleine alltägliche Problemstellungen könnten unterstützend von dem vernetzten Haushalt gelöst werden.

So lässt sich sagen, dass das „Internet der Dinge“, wie mit allen Bereichen die für eine stärkere Vernetzung von Teilwelten mit dem Internet stehen, ähnliche Chancen und Risiken birgt. Zwar kann es den Alltag erleichtern und unser Leben effizienter machen, doch müssen wir uns schon heute um die Problematiken bewusst werden. Vergangene Angriffe zeigen, wie schlecht es in Deutschland um die digitale Infrastruktur bestellt ist. Eine proaktive Gestaltung der Infrastruktur, der Sicherheitsstandards sowie der Rechtslage ist unentbehrlich, wenn wir mit den technischen Entwicklungen Schritt halten wollen.

Wie diese Maßnahmen auszusehen haben, bleibt zu diskutieren – vielleicht beim Mannheim Forum 2018!

 

 

Mit unseren Themenwochen wollen wir euch einige Facetten unseres Leitthemas Vernetzte Welt(en) vorstellen. Wie vernetzt sind wir eigentlich in allen Lebensbereichen? Und welche Vor- und Nachteile bringt das mit sich?