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TECHNOLOGIE

Vernetzte Mobilität

von Morgen

Vernetzte Mobilität – intelligent, autonom, nachhaltig?

Die Audi Hersteller haben es geschafft. Mit dem Audi A8 haben sie Stufe 3 des autonomen Fahrens erreicht. Doch was bedeutet das?

Stufe 3 bedeutet in diesem Fall konkret “hochautomatisiertes Fahren”. Dabei wird die Fahrt fast komplett von dem System übernommen und der Fahrer kann sich vor allem auf Autobahnen zurücklehnen. Audi ist seinen Konkurrenten von Mercedes, Tesla oder BMW, welche bisher nur teilautomatisiert fahrende Modelle produziert haben, insofern einen Schritt voraus, als dass der A8 sogar Überholmanöver, Ausweichen etc. im Autobahnverkehr übernimmt. Dennoch muss der Fahrer auch bei dem Audi Modell gelegentlich assistieren und daher jederzeit ein Auge auf die Verkehrslage haben. Falls es zu einer Situation kommt, in der der Autofahrer benötigt werden könnte, wird er nach einer Vorwarnzeit von mehreren Sekunden dazu beauftragt, die Steuerung über das Fahrzeug zu übernehmen. Eine weitere Eigenschaft der „Stufe 3“-Sensation ist die Kommunikation mit der Umwelt. Dabei kann das Fahrzeug nicht nur den Abstand zu anderen Verkehrsteilnehmern messen, sondern kann sich auch mit der gesamten Infrastruktur austauschen. Das alles klingt nach einem gewaltigen Schritt für die deutsche Automobilindustrie. Aber besteht eigentlich die rechtliche Grundlage, um mit Fahrzeugen der Stufe 3 auch auf den Straßen unterwegs zu sein?

Am 30. März 2017 verabschiedete der Bundestag Regelungen zum Fahren von Autos mit hoch- und vollautomatisierter Fahrfunktion. So wurde eine rechtliche Gleichstellung zwischen dem menschlichen Fahrer und dem Computer als Fahrer geschaffen. Die Regelung legt fest, dass die automatisierte Fahrfunktion eines Autos, die nur für den Einsatz auf Autobahnen konstruiert ist, nicht auf anderen Straßen eingesetzt werden darf. Darüber hinaus wird geregelt, dass die automatisierte Fahrfunktion nur dann verwendet werden darf, wenn der Fahrzeugführer zu jeder Zeit die Fahrzeugsteuerung wieder übernehmen kann. Ob beispielsweise der Audi A8 nun auf Deutschlands Autobahnen autonom fahren darf, ist nicht vollständig geklärt. Dem Fahrer wird es ermöglicht, während der Fahrt die Hände vom Steuer zu nehmen, jedoch muss er nach dem Gesetz jederzeit in der Lage sein, unverzüglich wieder die Kontrolle zu übernehmen.
Mit dieser Gesetzesverabschiedung holt Deutschland im internationalen Vergleich ein Stück weit auf. Trotzdem sind andere Länder, wie die USA, in der es in einigen Bundesstaaten Lizenzen zum Testen autonomer Fahrzeuge gibt, oder China, das innerhalb des letzten Jahrzehnts in Sachen Export von High-Tech stark aufholt, Deutschland noch voraus.

Ein Grund dafür ist der Datenschutz, der in Deutschland eine größere Diskussion verursacht als in China oder den USA. Auch heute schon sammeln moderne Fahrzeuge 25 GB an Daten pro Fahrstunde und in Zukunft wird sich die Zahl maßgeblich erhöhen. Es stellt sich die Frage, was mit den Daten passiert, die an den Server des Herstellers übermittelt werden, und wie sie gesichert werden, denn Einrichtungen wie Versicherungen, Werbeindustrie oder auch Google haben großes Interesse an diesen Daten. Datenschützer fordern daher Transparenz. Der Fahrer muss darüber informiert werden, welche Daten erhoben werden. Darüber hinaus muss er zur Datenübermittlung einwilligen.
Ferner herrscht die Angst vor Hackerangriffen. Wenn ein Angreifer einmal eine Sicherheitslücke entdeckt hat, ist es leicht Daten des Fahrers abzurufen oder das Auto fernzusteuern.

Im Hinblick auf all die Herausforderungen, die dem autonomen Fahren noch bevorstehen, schleicht sich schnell die Frage ein, ob es sich überhaupt lohnt, die Entwicklung des autonomen Fahrens voranzutreiben. Zu den Vorteilen lassen sich definitiv zum einen der höhere Komfort zählen. Wer nicht mehr selber das Auto steuern muss, kann sich als Passagier seine Zeit im Auto frei einteilen und für andere Dinge nutzen. Zum anderen führt autonomes Fahren auch zu einer besseren Umweltbilanz. Der optimierte und damit gleichmäßigere Verkehrsfluss führt zu einem geringeren CO2-Ausstoß und somit weniger Umweltbelastungen. Darüber hinaus kann menschliches Versagen (Unachtsamkeit, Sekundenschlaf, erhöhtes Tempo,…) als Ursache für Verkehrsunfälle eliminiert und somit die Verkehrssicherheit erhöht werden. Nicht zuletzt kann dem erhöhten Verkehrsaufkommen mit Hilfe von vernetztem, autonomen Fahren entgegengewirkt werden. So können Staus frühzeitig erkannt und durch eine angepasste Verkehrsführung vermieden werden.

Auf der anderen Seite sind die Systeme noch lange nicht vollkommen. Die Automobilhersteller müssen noch einige Herausforderungen meistern, um die nächste Stufe des autonomen Fahrens zu erreichen. Dazu gehört zum Beispiel ein einheitlicher Standard zur Kommunikation zwischen mehreren Fahrzeugen. Weiter muss aber auch die Umwelt digitalisiert werden, denn die Autos müssen auch mit Ampeln und dem Bus- und Bahnverkehr kommunizieren können und Polizei- und Rettungsfahrzeuge müssen weiterhin Vorrang haben. Zuletzt werden auch auf den Zentimeter genaue Karten benötigt, damit das Auto immer weiß, wo es sich genau befindet. Um Karte mit dieser Genauigkeit zu erhalten, muss jede öffentliche Straße vermessen werden.

Vor allem jedoch ist einer der größten noch zu diskutierender Punkte die Verkehrsethik. Stellen Sie sich nur einmal eine Fahrt in einem selbstfahrenden Fahrzeug vor. Mitten auf der Fahrbahn befindet sich eine ältere Dame, rechts ist ein recht steiler Abhang zu erkennen und links von der Fahrbahn läuft eine junge Frau mit Kinderwagen entlang. Wie soll das Fahrzeug reagieren?

 

Eines ist sicher: Die Automobilbranche befindet sich in einem gewaltigen Umbruch, der die Hersteller zu einer grundlegenden Neuausrichtung zwingt. Wie diese aussehen wird?

Mehr dazu vom 8.-10. März beim Mannheim Forum 2018!