SICHERHEIT
Soziale Sicherheit

Mit Bildungsreformen und Umverteilung gegen die Kluft zwischen arm und reich

Der Bildungsbericht 2016 zeigt deutliche Zusammenhänge zwischen sozialer Herkunft und Bildungsabschluss – um es drastisch zu sagen: wer arm geboren wird, bleibt arm. Am Beispiel Bremen wird diese These besonders deutlich: 80 Prozent der Kinder aus Akademikerhaushalten machen dort das Abitur, wohingegen nur 20 Prozent der Abiturienten aus Nichtakademikerhaushalten stammen.[1]

Doch was kann man dagegen unternehmen? Eine Möglichkeit wäre es, durch Bildungsreformen die bisherigen, festgefahrenen Sozialstrukturen zu erschüttern und neue Wege zu höheren Bildungsabschlüssen zu ermöglichen. Auf der anderen Seite steht der Vorschlag der Vermögensumverteilung, um die Kluft zwischen arm und reich ein wenig zu schließen und eine solide monetäre Grundlage zu schaffen, sodass der Effekt der sozialen Herkunft im Bildungssystem abgedämpft wird.

Bildungsreformen gibt es wie Sand am Meer – vom Konzept der Gemeinschaftsschule bis hin zum aktuell heiß diskutierten Bafög für alle. Oder ist die Digitalisierung vielleicht der Schlüssel zum herkunftsunabhängigen Schulerfolg? Gemeinschaftsschulen sollen beispielsweise die verfrühte Trennung des Schulweges und damit die einhergehende Stigmatisierung verhindern, indem Schüler verschiedener Leistungsklassen gemeinsam länger unterrichtet werden. Damit können die Bildungschancen für sogenannte „Spätzünder“ oder Kinder mit anfänglichen Sprachdefiziten steigen. Das 2012/2013 von der SPD/Grünen-Landesregierung in Baden-Württemberg implementierte Gemeinschaftsschulkonzept hat sich jedoch nicht bewährt – die Anmeldungen gehen stetig zurück, da die Skepsis der Eltern wächst. Zu groß sind die Befürchtungen, dass die Entwicklung leistungsstarker Schüler gebremst würde.

Eine andere Art der Bildungsreform wäre die Digitalisierung des Schulsystems, welche Umfragewerten zufolge 90 Prozent der Bürger befürworten. Freier Zugang zu Computern, Tablets und Internet in schuleigenen Bibliotheken und Computerkurse würden auch Schülern aus einkommensschwachen Familien den Umgang mit neuen Medien ermöglichen und die notwendigen Fähigkeiten für den weiteren Bildungs-und Berufsweg ebnen.

Ein weiteres aktuelles Modell, welches den Zugang zu höheren Bildungsabschlüssen ermöglichen soll – das von der FDP in aktuellen Sondierungsgesprächen geforderte Bafög für alle. Es verspricht Unabhängigkeit von familiären Bildungszwängen –  für manche eröffnet es die Chance überhaupt studieren zu gehen und einen universitären Abschluss zu erlangen. Allerdings stellt sich dabei die Frage der Gerechtigkeit, wieso sollten „die Reichen“, die ohnehin statistisch gesehen die besten Bildungschancen haben, noch einen staatlichen Zuschuss bekommen?

Anschließend an die Gerechtigkeitsfrage stellt sich das Konzept der Vermögensumverteilung. Höhere Vermögenssteuern für Topverdiener und die Umverteilung dieser an sozial schwache Familien ist eine oft in der Politik geforderte Maßnahme – doch der richtige Umverteilungsschlüssel ist noch nicht gefunden worden. Außerdem garantiert die rein finanzielle Unterstützung noch nicht den gewünschten Bildungserfolg.

Eine andere Steuermaßnahme wäre die Erhöhung der Erbschaftssteuer – immerhin sind rund 11 Billionen Euro des deutschen Privatvermögens durch Erbschaft erzielt worden – und eine gleichzeitige Umverteilung in Bildungsfonds. Beispielsweise könnte eine Erweiterung von Stipendien hierdurch ermöglicht werden.

Eine Verbindung der beiden Maßnahmen, also sowohl die strukturelle Bildungssystemreform, als auch finanzielle Umverteilung könnten der Schlüssel zum Erfolg sein und die Schere zwischen arm und reich schließen.

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[1] http://www.zeit.de/karriere/2016-07/kinderarmut-eltern-einkommen-klassenfahrten-bildung